Rezension: “Ich fühle was, was du nicht fühlst” von Amelie Fried

Hallöchen, du da!

Ich habe ein wunderbares Buch gelesen. Dieses Buch gehört eindeutig zu meinen Jahreshighlights. Etwas, was ich zunächst nicht erwartet hätte. Das Buch heißt: “Ich fühle was, was du nicht fühlst” von Amelie Fried und ist im Heyne Verlag erschienen und umfasst 400 Seiten. Es ist im Juni 2018 erschienen, doch die Geschichte spielt im Jahre 1975.

Die Geschichte ist inhaltlich schwer zusammenzufassen, ohne zu spoilern, aber ich gebe mein Bestes.

Inhalt

Die Protagonistin ist ein dreizehnjähriges Mädchen, namens India. Sie lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Che in Deutschland, in der Nähe von Stuttgart und somit in der alten BRD. Ihr Vater ist Künstler und ihre Mutter gibt so eine Art Meditationsseminare, weshalb es India nicht leicht fällt, Freunde zu finden. Ihre beste Freundin (und ihre einzige) wohnt direkt nebenan und heißt Bettina. Bettinas Vater ist Klavier- und Musiklehrer und spielt auch in Indias Leben eine wichtige Rolle, ab dem Zeitpunkt an, an dem ihre Elterns sie zum Klavierunterricht überreden.

Schnell wird klar, dass India kein normales Mädchen ist: sie hat eine große mathematische Begabung und auch ein besonderes Gespür für Musik, welches sie allerdings nicht immer nur als positiv empfindet. Ihr Klavierlehrer hilft ihr dabei, sich mit Musik besser zu fühlen und er ist in schweren Zeiten ihre Stütze.

In der Geschichte begleitet man India in ihrem Lebensalltag und erfährt auch so einiges aus ihrer Vergangenheit. So nimmt man an dem Leben einer dreizehnjährigen teil, die im Kopf schon viel weiter ist, als ihre Mitschülerinnen (sie geht auf eine reine Mädchenschule) und erlebt mit ihr die typischen Seiten des Teenagerlebens, die bei ihr jedoch ganz anders ausgeprägt sind. So macht auch India erste Erfahrungen mit der Liebe, hat mit ihrer Begabung und dem Ausgegrenztsein in der Schule zu kämpfen. Dennoch machen auch ihre kreativen und unautoritären Eltern Probleme sowie ihr Bruder, der in die Kriminalität abrutscht, auf der verzweifelten Suche nach sich selbst.

Meine Meinung

Das Buch hat mich emotional total mitgenommen. Es war zudem das spannendste Buch, welches ich 2018 gelesen habe, obwohl es nicht mal ein Thriller oder ähnliches war. Die Geschichte ist in sich super interessant und ergreifend. Die Protagonistin India ist so ein wunderbarer Mensch: sie ist kein durchschnittliches 13-jähriges Mädchen sondern etwas ganz Besonderes. Sie versteht die Erwachsenen besser, als diese es selbst tun und ist dabei auch noch sehr humorvoll.

Besonders gelungen finde ich in dem Buch, wie mit der Vergangenheit einer gesamten Generation umgegangen wird, die dennoch einen so starken Nachhall in die Gegenwart hat. Obwohl das Buch in den 70er Jahren spielt, arbeitet es die Geschichte des Nationalsozialismus auf ganz eigene Weise auf. India und ihr Bruder Che wachsen zwar mit unautoritären, “linken Hippie”-Eltern auf, werden dennoch mit dem Kampf zwischen Juden und Nazis ganz persönlich, auch außerhalb des Schulunterrichts, auf drastische Weise konfrontiert.

Weiterhin empfinde ich es als grandios, dass die Autorin die Erwachsenen hier einmal als fehlbar und teilweise nicht ernstzunehmende Menschen darstellt. Besonders als junger Heranwachsende, wie ich, zeigt einem dieses Buch Dinge, die man zwar schonmal gedacht hat, aber sich bisher nicht eingestehen wollte: Das die eigenen Eltern nicht perfekt sind und lügen! Etwas, was jeder während der Pubertät spürt und mehr oder minder stark zum Ausdruck bringt, allerdings nicht ernst genommen wird, und es selbst auch nicht 100% ernst nimmt. Die Autorin geht allerdings mit diesem offentsichtlichen Fakt besonders speziell und einzigartig um, weshalb es auch sehr spannend war, die Geschichte von Indias Eltern und anderer erwachsener Charaktere zu verfolgen.

Im Allgemeinen sind die Charaktere unglaublich detailreich und mit Fingerspitzengefühl ausgearbeitet. Jeder Charakter ist wirklich einzigartig, sogar “der Böse” in der Geschichte ist kein Klischeebehafteter böser Mann sondern ist auf seine ganz eigene Weise faszinierend.

Hinzu kommt, dass ich das Buch als sehr pädagogisch wertvoll finde. Es hat eine klare Moral und ist psychologisch sehr interessant. Das Buch hat auf mich eine große Faszination ausgeübt und ich denke auch, dass es im Schulunterricht eine wunderbare Lektüre wäre.

Das Einzige, was ich nicht ganz so berauschend an der Geschichte fand, war das Ende. Meiner Meinung nach, ist die Auflösung unbefriedigend; mir blieben ein haufen Fragen im Kopf, die nicht beantwortet wurden. Aber ich denke, das geschieht mit Absicht, damit man über das Thema intensiv selber nachdenkt; und tatsächlich, dadurch lässt mich das Buch auch eine Woche nach dem Lesen immer noch nicht los. Von daher, ist selbst das ungewisse Ende grandios gelungen.

Hut ab, vor der Autorin für dieses emotionale, literarische Sahnstück, welches nicht nur der Unterhaltung dient, sondern auch demn intellektuellen Geiste befriedigt!

Fazit

Dieses Buch hat mich gefesselt und nicht mehr losgelassen. Es war ein unglaublich gutes, interessantes und spannendes Buch. Die Geschichte war sehr emotional und die Charaktere waren so sorgfältig und vielseitig ausgearbeitet. Das Lesen hat mir extrem viel Spaß bereitet und ich konnte das Buch stundenlang nicht aus der Hand legen. Somit kann ich es jedem einfach nur empfehlen. Jemand der gerne realistische und gesellschaftskritische Romane liest, wird dieses Buch lieben, aber auch für mich, als eingefleischten Fantasy-Fan, war dieses Buch so beeindruckend, dass es zu meinen Jahreshighlights gehört!

5 / 5

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